Newsletter-Tools im Vergleich: Brevo, CleverReach, Mailchimp

Der eigene Newsletter ist einer der wenigen Kanäle, die Unternehmen selbst kontrollieren. Welche Kriterien bei der Toolwahl zählen und wie sich Brevo, CleverReach und Mailchimp für DACH-Unternehmen unterscheiden.

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Symbolbild Content-Planung und Newsletter-Marketing

Reichweite auf Plattformen ist gemietet, eine E-Mail-Liste gehört dem Unternehmen selbst. Wer einen Newsletter als eigenen Kanal aufbauen will, trifft mit der Wahl des Versandwerkzeugs eine Entscheidung, die sich später nur mühsam korrigieren lässt: Kontakte, Einwilligungsnachweise, Automationen und Vorlagen hängen am Tool. Für Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz kommen rechtliche Fragen hinzu, die in amerikanischen Vergleichstests oft zu kurz kommen.

Dieser Beitrag ordnet drei verbreitete Anbieter ein – Brevo (vormals Sendinblue), CleverReach und Mailchimp – und stützt sich dabei ausschließlich auf die Angaben der Hersteller selbst sowie auf Gesetzestexte. Alle Angaben: Stand September 2026.

Die rechtliche Ausgangslage

Werbung per E-Mail ist in Deutschland nach aktueller Rechtslage (Stand: September 2026) grundsätzlich nur mit Einwilligung zulässig. § 7 Abs. 2 Nr. 2 UWG wertet Werbung „unter Verwendung […] elektronischer Post, ohne dass eine vorherige ausdrückliche Einwilligung des Adressaten vorliegt“, als unzumutbare Belästigung. Eine eng gefasste Ausnahme für Bestandskunden regelt § 7 Abs. 3 UWG: Sie greift nur, wenn die Adresse im Zusammenhang mit einem Verkauf erhoben wurde, für eigene ähnliche Waren oder Dienstleistungen geworben wird, der Kunde nicht widersprochen hat und bei Erhebung sowie jeder Verwendung klar auf das Widerspruchsrecht hingewiesen wird.

Datenschutzrechtlich stützt sich der Versand meist auf die Einwilligung nach Art. 6 Abs. 1 lit. a DSGVO. Entscheidend ist Art. 7 Abs. 1 DSGVO: Der Verantwortliche muss nachweisen können, dass eingewilligt wurde. Genau hier setzt das Double-Opt-in-Verfahren an – die Anmeldung wird erst nach Bestätigung über einen Link in einer E-Mail wirksam und dokumentiert. Da der Anbieter die Empfängerdaten im Auftrag verarbeitet, ist zudem ein Vertrag zur Auftragsverarbeitung nach Art. 28 DSGVO erforderlich.

Das Tool versendet die E-Mails – die Verantwortung für die Einwilligung bleibt beim Unternehmen.

Die Auswahlkriterien

Bevor Funktionslisten verglichen werden, lohnt ein Blick auf die Kriterien, die im Alltag tatsächlich den Unterschied machen:

  • Auftragsverarbeitung (AVV): Ist der Vertrag nach Art. 28 DSGVO Bestandteil der Nutzungsbedingungen oder muss er separat abgeschlossen werden?
  • Datenstandort: Werden Kontaktdaten in der EU gespeichert, oder findet eine Übermittlung in Drittländer statt – und auf welcher Grundlage?
  • Double-Opt-in: Ist das Verfahren Standard in Anmeldeformularen, und wird die Bestätigung protokolliert und exportierbar gespeichert?
  • Zustellbarkeit: Seit dem 1. Februar 2024 verlangt Google von Absendern mit mehr als 5.000 Nachrichten pro Tag an Gmail-Konten SPF, DKIM und DMARC, eine Spamrate unter 0,3 Prozent in den Postmaster Tools sowie die Abmeldung per Klick. Das Tool muss die Authentifizierung der eigenen Absenderdomain unterstützen.
  • Automatisierung: Begrüßungsstrecken, Geburtstags- oder Warenkorb-Mails – wie viele Automationen sind im gewählten Paket enthalten?
  • Preismodell: Abrechnung nach Anzahl der Kontakte oder nach Anzahl der versendeten E-Mails. Das verändert die Kostenkurve erheblich.
  • Integrationen: Anbindung an CMS, Shopsystem und CRM, damit Kontakte nicht manuell gepflegt werden müssen.
  • Sprache und Ansprechpartner: Deutschsprachige Oberfläche, Dokumentation und Support sind für kleinere Teams oft wichtiger als ein weiteres Feature.

Brevo: nach Versandvolumen abgerechnet

Brevo firmierte bis Mai 2023 als Sendinblue; die Umbenennung wurde am 4. Mai 2023 bekanntgegeben. Das 2012 gegründete Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Paris, das deutsche Geschäft wird laut Pressemitteilung aus Berlin geführt. Brevo versteht sich inzwischen als Marketing- und CRM-Plattform, nicht mehr nur als Newsletter-Tool.

Beim Datenschutz nennt Brevo auf der deutschen Datenschutzseite „rechtssichere Verträge (AV)“, den „Server-Standort EU“ sowie einen TÜV-Rheinland-Prüfbericht zu den technischen und organisatorischen Maßnahmen. Die Auftragsverarbeitungsvereinbarung nach Art. 28 DSGVO ist laut Anbieter Bestandteil der Nutzungsbedingungen, ein gesonderter Abschluss sei nicht erforderlich.

Das Preismodell unterscheidet Brevo von den beiden anderen Anbietern: Gewählt wird die Anzahl der E-Mails, nicht die Größe der Kontaktliste. Die Pakete heißen Starter, Standard, Professional und Enterprise. Im kostenlosen Paket lassen sich nach Freigabe des Kontos bis zu 300 E-Mails pro Tag versenden. Das „Gesendet mit Brevo“-Logo im Footer lässt sich nur gegen Aufpreis entfernen.

CleverReach: deutscher Anbieter, Abrechnung nach Empfängern

CleverReach ist ein deutsches Unternehmen: Die CleverReach GmbH & Co. KG sitzt laut Impressum in Rastede in Niedersachsen und ist beim Amtsgericht Oldenburg eingetragen. Das Unternehmen wirbt ausdrücklich mit „Made in Germany“.

Nach eigenen Angaben speichert CleverReach alle Daten „exclusively in the European region“ und verweist auf Rechenzentren mit Zertifizierung nach DIN ISO/IEC 27001. Double-Opt-in ist laut Support-Dokumentation Standard in den Anmeldeformularen; die Bestätigung wird automatisch protokolliert und kann bei Bedarf heruntergeladen werden.

Abgerechnet wird nach der Anzahl der Empfänger. Das kostenlose Paket Lite erlaubt bis zu 250 Empfänger und 1.000 E-Mails pro Monat und enthält eine Automationskette. Die kostenpflichtigen Pakete Basic, Pro und Enterprise bieten laut Preisseite unbegrenzt viele E-Mails pro Monat; der Preis steigt mit der Empfängerzahl.

Mailchimp: großer US-Anbieter, Abrechnung nach Kontakten

Mailchimp gehört seit November 2021 zum US-Softwarekonzern Intuit und hat seinen Sitz in Atlanta. Für DACH-Unternehmen ist vor allem der Datenstandort zu prüfen: Laut Mailchimps eigener DSGVO-Seite werden Daten in den USA verarbeitet. Als Grundlage nennt der Anbieter die Zertifizierung unter dem EU-US Data Privacy Framework sowie die in das Data Processing Addendum integrierten Standardvertragsklauseln. Dieses Addendum wird automatisch Teil der Nutzungsbedingungen. Double-Opt-in ist verfügbar und wird von Mailchimp für den Versand an Empfänger in der EU ausdrücklich empfohlen.

Mailchimp rechnet nach Anzahl der Kontakte ab. Das kostenlose Paket umfasst bis zu 250 Kontakte, höchstens 500 E-Mails pro Monat und 250 pro Tag. Darüber folgen die Pakete Essentials, Standard und Premium. Bei Überschreitung der Kontakt- oder Versandgrenzen fallen auf den bezahlten Paketen zusätzliche Kosten an.

Die drei Anbieter im Überblick

  • Brevo: Hauptsitz Paris, Server in der EU, AVV in den Nutzungsbedingungen, Abrechnung nach E-Mail-Volumen, kostenlos bis 300 E-Mails pro Tag.
  • CleverReach: Sitz Rastede, Datenspeicherung ausschließlich in Europa, Double-Opt-in als Standard, Abrechnung nach Empfängern, kostenlos bis 250 Empfänger und 1.000 E-Mails pro Monat.
  • Mailchimp: Sitz Atlanta, Datenverarbeitung in den USA auf Basis von Data Privacy Framework und Standardvertragsklauseln, Abrechnung nach Kontakten, kostenlos bis 250 Kontakte und 500 E-Mails pro Monat.

Konkrete Paketpreise ändern sich häufig und hängen von Listengröße, Laufzeit und Aktionen ab. Maßgeblich ist stets die aktuelle Preisseite des Anbieters.

Welches Tool für welchen Einsatz?

Solo-Selbstständige und Berater

Wer eine kleine, aber wachsende Liste hat und seltener versendet, profitiert vom Modell nach Versandvolumen: Bei Brevo kostet eine große Liste allein noch nichts, solange das E-Mail-Kontingent reicht. Wer ohnehin nur wenige hundert Empfänger hat und Wert auf einen deutschen Anbieter legt, kommt mit dem kostenlosen CleverReach-Paket in die Erprobung.

Mittelstand im B2B

Für Unternehmen, deren Datenschutzbeauftragte Drittlandübermittlungen möglichst vermeiden wollen, sind CleverReach und Brevo mit EU-Datenhaltung naheliegend. CleverReach bietet zusätzlich die Nähe eines deutschen Vertragspartners, Brevo die breitere Plattform mit CRM-Funktionen. Wer bereits ein CRM einsetzt, sollte die Integration vorab testen – dazu mehr in unserem Vergleich von CRM-Systemen für den Mittelstand.

E-Commerce

Händler mit hohen Versandfrequenzen und Warenkorb-Automationen sollten beide Preismodelle mit ihren eigenen Zahlen durchrechnen: Viele Mails an eine überschaubare Liste sprechen für ein Modell nach Kontakten oder Empfängern mit unbegrenztem Versand, wenige Mails an eine große Liste eher für Volumenpreise. Mailchimp bleibt eine Option für international aufgestellte Händler, sofern die Datenverarbeitung in den USA intern geprüft und dokumentiert ist. Warum der eigene Kanal für Marken gerade jetzt an Gewicht gewinnt, beschreibt unser Beitrag „Der eigene Newsletter: Owned Media für Unternehmer aufbauen“.

Checkliste vor der Entscheidung

  1. Erwartete Listengröße und Versandfrequenz für zwölf Monate schätzen.
  2. Kosten in beiden Preismodellen mit diesen Werten auf den Preisseiten berechnen.
  3. AVV und Angaben zum Datenstandort herunterladen und mit dem Datenschutzbeauftragten prüfen.
  4. Double-Opt-in im Testkonto einrichten und den Export der Einwilligungsnachweise prüfen.
  5. SPF, DKIM und DMARC für die Absenderdomain einrichten.
  6. Anbindung an Website, Shop und CRM im kostenlosen Paket testen.
  7. Kündigungs- und Exportmöglichkeiten für Kontakte klären, bevor die Liste wächst.

Fazit

Zwischen Brevo, CleverReach und Mailchimp entscheidet weniger die Zahl der Funktionen als drei nüchterne Fragen: Wo liegen die Daten, wie wird abgerechnet, und passt das Tool zu den vorhandenen Systemen? CleverReach punktet mit deutschem Sitz und europäischer Datenhaltung, Brevo mit EU-Servern und einem Preismodell nach Versandvolumen, Mailchimp mit Verbreitung und Ökosystem – bei Datenverarbeitung in den USA. Wer die Checkliste mit eigenen Zahlen abarbeitet, trifft eine Wahl, die auch in drei Jahren noch trägt. Ein Tool ersetzt dabei nicht die saubere Einwilligung: Sie bleibt, wie auch beim Marketing ohne Cookies, die Grundlage jedes eigenen Kanals.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Maßgeblich ist die individuelle Prüfung durch qualifizierte Berater.

Quellen

Autor:in

Redaktion SIGNO

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