SEO im Zeitalter der KI-Suche: Was sich jetzt ändert

Google beantwortet Fragen zunehmend selbst, ChatGPT und Perplexity liefern Antworten mit Quellen. Was das für die Sichtbarkeit von Unternehmen bedeutet, was bleibt und wie sich Mittelständler vorbereiten.

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Symbolbild Suchmaschine und KI-gestützte Suche
Foto: Agence Olloweb / Unsplash

Wer heute bei Google eine komplexe Frage stellt, bekommt immer häufiger zuerst eine fertig formulierte Antwort – und erst darunter die klassischen Suchergebnisse. Parallel dazu recherchieren Entscheider in ChatGPT oder Perplexity, die ebenfalls Antworten mit Quellenangaben liefern. Für Unternehmen verschiebt sich damit die Frage: Nicht mehr nur „Auf welchem Platz stehen wir?“, sondern „Werden wir in der Antwort überhaupt genannt?“ SEO im Zeitalter der KI-Suche ist deshalb keine neue Disziplin, aber eine mit veränderten Spielregeln.

Der Trend: Antworten statt Trefferlisten

In Deutschland ist die Entwicklung inzwischen im Alltag angekommen. Google hat die „Übersicht mit KI“ (international: AI Overviews) Ende März 2025 unter anderem für Deutschland, Österreich und die Schweiz freigeschaltet – auf Deutsch und Englisch, zunächst für angemeldete Nutzer ab 18 Jahren. Die Zusammenfassungen erscheinen über den Suchergebnissen, wenn Googles Systeme sie für hilfreich halten.

Am 8. Oktober 2025 folgte der KI-Modus für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Er funktioniert wie ein Dialog: Nutzer stellen eine Frage, erhalten eine zusammengefasste Antwort mit Links und können direkt nachfragen. Laut Google nutzt der KI-Modus eine Technik namens „Query-Fan-Out“: Eine Frage wird in Unterthemen zerlegt, zu denen parallel gesucht wird. Frühe Nutzer stellten nach Angaben des Unternehmens Anfragen, die zwei- bis dreimal so lang waren wie typische Google-Suchen.

Außerhalb von Google hat OpenAI Ende Oktober 2024 die Suche in ChatGPT eingeführt; seit Februar 2025 ist sie auch ohne Anmeldung nutzbar. Perplexity versteht sich als KI-gestützte Suchmaschine, die ihre Antworten mit nummerierten Quellenverweisen versieht.

Die Treiber: Bequemlichkeit und weniger Klicks

Der wichtigste Treiber ist das Nutzerverhalten. Wer eine Antwort in drei Absätzen bekommt, muss nicht mehr fünf Websites öffnen und selbst vergleichen. Gerade für Recherchefragen im B2B-Umfeld – „Welche Anforderungen gelten für …?“, „Worin unterscheiden sich Anbieter X und Y?“ – ist das attraktiv.

Die Folge für Websites lässt sich inzwischen mit Daten belegen. Das Pew Research Center hat das Browsing-Verhalten von 900 erwachsenen US-Nutzern im März 2025 ausgewertet, insgesamt 68.879 Google-Suchen, von denen 12.593 eine KI-Zusammenfassung enthielten. Das Ergebnis: Erschien eine KI-Zusammenfassung, klickten Nutzer nur bei 8 Prozent der Besuche auf ein klassisches Suchergebnis; ohne Zusammenfassung waren es 15 Prozent. Auf einen Link innerhalb der Zusammenfassung selbst klickten sie in lediglich 1 Prozent der Fälle. Die Werte beziehen sich auf die USA und lassen sich nicht ohne Weiteres auf Deutschland übertragen.

Sichtbarkeit entsteht künftig dort, wo die Antwort formuliert wird – nicht erst dort, wo geklickt wird.

Google selbst argumentiert, dass Klicks aus Suchergebnisseiten mit KI-Übersichten „hochwertiger“ seien, Nutzer also mehr Zeit auf der Zielseite verbringen. Beides kann gleichzeitig zutreffen: weniger Besuche, aber besser vorinformierte Besucher.

Szenarien für B2B und Mittelstand

Wie stark ein Unternehmen betroffen ist, hängt vom Geschäftsmodell ab. Drei Szenarien zeichnen sich ab:

  • Informationsgetriebene Inhalte verlieren an Reichweite. Ratgeberseiten, die allgemeine Fragen beantworten („Was ist eine E-Rechnung?“), stehen in direkter Konkurrenz zur KI-Antwort. Wer bisher vor allem über solche Inhalte Besucher gewonnen hat, dürfte den Rückgang am deutlichsten spüren.
  • Spezialwissen gewinnt an Gewicht. Komplexe, mehrstufige Fragen – typisch für Investitionsentscheidungen im Mittelstand – werden gerade im KI-Modus zerlegt und aus mehreren Quellen beantwortet. Unternehmen mit echter Fachtiefe, eigenen Daten und konkreten Anwendungsbeispielen haben gute Chancen, als Quelle herangezogen zu werden.
  • Die Marke wird zum Suchbegriff. Wenn KI-Systeme eine Auswahl an Anbietern nennen, entscheidet die Bekanntheit darüber, ob ein Unternehmen auf der Liste steht – und ob Interessenten anschließend gezielt nach dem Firmennamen suchen.

Für viele Mittelständler, deren Kunden ohnehin über Empfehlungen, Messen und Vertrieb kommen, ist die Entwicklung weniger bedrohlich als für reine Online-Publisher. Riskant wird sie für Unternehmen, deren Lead-Generierung fast vollständig auf organischem Traffic zu Informationsinhalten beruht.

Was bleibt: hilfreiche, verlässliche Inhalte

Die gute Nachricht: Die Grundlagen verlieren nicht an Bedeutung. Google schreibt in seiner Dokumentation für Website-Betreiber ausdrücklich, dass es keine zusätzlichen Anforderungen und keine speziellen Optimierungen gibt, um in KI-Übersichten oder im KI-Modus zu erscheinen. Eine Seite muss indexiert und berechtigt sein, mit einem Snippet in der Suche angezeigt zu werden. Neue maschinenlesbare Dateien, spezielle „KI-Textdateien“ oder besonderes Schema.org-Markup seien nicht nötig.

Maßstab bleibt Googles Leitlinie für „hilfreiche, verlässliche Inhalte, die für Menschen erstellt werden“. Dazu gehört das Konzept E-E-A-T – Erfahrung, Expertise, Autorität und Vertrauenswürdigkeit –, das Google in seinen Richtlinien für Suchqualitätsbewerter (Search Quality Rater Guidelines) beschreibt. Vertrauen ist laut Google der wichtigste Faktor; die anderen tragen dazu bei. Google empfiehlt, offenzulegen, wer einen Inhalt verfasst hat, wie er entstanden ist – einschließlich des Einsatzes von Automatisierung oder KI – und warum er erstellt wurde.

Auch das technische Handwerk bleibt: Crawling in der robots.txt und auf Ebene von CDN oder Hosting zulassen, Inhalte über interne Links auffindbar machen, eine gute Nutzererfahrung bieten und wichtige Inhalte als Text statt nur in Bildern oder PDFs bereitstellen.

Was sich ändert: Zitiert werden statt nur gefunden werden

Verschoben hat sich vor allem das Ziel. Neben die Position in der Trefferliste tritt die Frage, ob ein Unternehmen in der Antwort als Quelle verlinkt oder als Anbieter genannt wird. Daraus ergeben sich vier Handlungsfelder.

Inhalte, die sich zitieren lassen

KI-Systeme setzen Antworten aus Passagen zusammen. Texte, die eine Frage klar und präzise beantworten, eigene Daten oder Erfahrungswerte liefern und sauber gegliedert sind, eignen sich besser als Quelle als austauschbare Überblicksartikel.

Strukturierte Daten und Unternehmensprofile

Spezielles Markup ist laut Google nicht erforderlich. Vorhandene strukturierte Daten sollten aber mit dem sichtbaren Text der Seite übereinstimmen. Zudem nennt Google ausdrücklich aktuelle Angaben im Unternehmensprofil (Business Profile) und im Merchant Center – für lokale Anbieter und Händler ein einfacher Hebel.

Zugang für andere KI-Suchen

Wer in ChatGPT-Suchergebnissen erscheinen will, sollte laut OpenAI den Crawler „OAI-SearchBot“ in der robots.txt zulassen. Er ist vom Trainings-Crawler „GPTBot“ getrennt; Unternehmen können also Suchsichtbarkeit erlauben und zugleich die Nutzung für das Modelltraining ausschließen. Bei Google steuert „Google-Extended“ die Nutzung für Training und Grounding in einigen anderen KI-Systemen des Konzerns; die Anzeige in der Suche regeln weiterhin Angaben wie „nosnippet“ oder „noindex“.

Marke und eigene Kanäle

Je weniger Klicks die Suche liefert, desto wichtiger werden direkte Beziehungen. Ein Newsletter, eine aktive Präsenz der Geschäftsführung auf Fachplattformen und eigene Veranstaltungen schaffen Reichweite, die von keinem Algorithmus abhängt. Wie Unternehmen solche Kanäle aufbauen, beschreibt der SIGNO-Beitrag „Der eigene Newsletter: Owned Media für Unternehmer aufbauen“; einen Überblick über passende Werkzeuge gibt der Vergleich von Newsletter-Tools.

Ein praktisches Detail: Laut Google werden Besuche aus KI-Übersichten und KI-Modus in der Search Console im gesamten Suchtraffic mitgezählt. Rückgänge bei Klicks sollten daher im Zusammenhang mit Impressionen, Markensuchen und Anfragen über andere Kanäle bewertet werden.

Checkliste: Was Unternehmen jetzt vorbereiten sollten

  1. Bestandsaufnahme: Welche Seiten liefern heute organischen Traffic und Anfragen? Wie hoch ist der Anteil reiner Informationsinhalte?
  2. Stichproben in KI-Suchen: Die zehn wichtigsten Kundenfragen in Googles KI-Modus, ChatGPT und Perplexity stellen und dokumentieren, welche Quellen und Anbieter genannt werden.
  3. Technik prüfen: robots.txt, CDN- und Firewall-Regeln auf Zugriffe von Googlebot und OAI-SearchBot kontrollieren; bewusst entscheiden, wie mit Trainings-Crawlern wie GPTBot und Google-Extended umgegangen wird.
  4. Inhalte schärfen: Kernfragen präzise beantworten, eigene Daten, Praxisbeispiele und Erfahrungswerte ergänzen, Autoren mit Qualifikation sichtbar machen.
  5. Profile aktualisieren: Unternehmensprofil bei Google, Merchant Center, Branchenverzeichnisse und Website-Angaben konsistent halten.
  6. Strukturierte Daten abgleichen: Markup nur dort einsetzen, wo es den sichtbaren Inhalt korrekt abbildet.
  7. Eigene Kanäle ausbauen: Newsletter-Anmeldungen, Fachbeiträge der Geschäftsführung und direkte Kundenkontakte als unabhängige Reichweite entwickeln.
  8. Kennzahlen anpassen: Neben Klicks auch Impressionen, Markensuchen, Anfragen und Nennungen in KI-Antworten beobachten.

Fazit

Die KI-Suche ist in Deutschland kein Zukunftsszenario mehr, sondern seit 2025 Teil des Alltags von Kunden und Entscheidern. Sie verringert Klicks auf klassische Suchergebnisse, belegt für die USA durch die Daten des Pew Research Center. Die Grundlagen guter Suchmaschinenoptimierung bleiben dennoch gültig: Google verlangt keine Sondermaßnahmen, sondern hilfreiche, verlässliche und technisch zugängliche Inhalte. Neu ist das Ziel: Unternehmen müssen darauf hinarbeiten, in Antworten genannt zu werden – und zugleich Kanäle aufbauen, über die sie ihre Kunden direkt erreichen. Wer beides verbindet, verliert weniger Sichtbarkeit, als die sinkenden Klickzahlen vermuten lassen.

Quellen

Autor:in

Redaktion SIGNO

Die Redaktion von SIGNO Magazin berichtet über Unternehmertum, Technologie und Vermögen – fundiert recherchiert, klar eingeordnet und mit Blick auf die Praxis von Unternehmern und Entscheidern.

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