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Private Debt: Die Alternative zum Bankkredit

Kreditfonds finanzieren den Mittelstand schneller und flexibler als Banken, verlangen dafür aber mehr. Was Private Debt für Unternehmer als Kreditnehmer und für Anleger bedeutet – inklusive ELTIF 2.0 und Risiken.

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Symbolbild Unternehmensfinanzierung und Kreditvertrag
Foto: Scott Graham / Unsplash

Lange galt im Mittelstand eine einfache Regel: Wer Kapital braucht, spricht mit der Hausbank. Diese Regel hat Konkurrenz bekommen. Private-Debt-Fonds vergeben Kredite direkt an Unternehmen, oft schneller und flexibler als Banken, verlangen dafür aber ihren Preis. Für Anleger ist dieselbe Finanzierung eine eigene Anlageklasse geworden. Dieser Beitrag betrachtet beide Seiten getrennt: die des Unternehmers, der Geld aufnimmt, und die des Investors, der es verleiht.

Was Private Debt ist und wie groß der Markt ist

Private Debt bezeichnet Fremdkapital, das nicht über Banken oder den öffentlichen Anleihemarkt, sondern über spezialisierte Fonds bereitgestellt wird. Ein zentrales Segment ist das sogenannte Direct Lending: Ein Fonds leiht einem Unternehmen direkt Geld und hält den Kredit in der Regel bis zur Rückzahlung, statt ihn weiterzuverkaufen.

Der Markt ist in wenigen Jahren stark gewachsen. Bundesbank-Vorstand Michael Theurer bezifferte das weltweit von Private-Debt-Fonds verwaltete Vermögen im Oktober 2025 auf ungefähr 2,5 Billionen US-Dollar, nach rund 0,2 Billionen Anfang der 2000er-Jahre. Die Europäische Zentralbank beziffert in ihrem Finanzstabilitätsbericht vom Mai 2026 das Vermögen von Private-Credit-Fonds mit Sitz im Euroraum für 2025 auf rund 100 Milliarden Euro, bei einem durchschnittlichen Wachstum von 14 Prozent pro Jahr seit 2010.

In Deutschland selbst ist die Fondsbranche noch klein: Das Vermögen deutscher Kreditfonds liegt laut Theurer bei weniger als 0,5 Prozent des von deutschen Banken finanzierten Kreditvolumens. Kreditvergabe durch Fonds ist hierzulande erst seit etwa zehn Jahren möglich. Unternehmen im Euroraum erhalten ihre Private-Debt-Finanzierung überwiegend von außereuropäischen Fonds. Banken sind dabei nicht nur Wettbewerber: Sie finanzieren Private-Debt-Fonds, halten Fondsanteile und haben mitunter selbst Forderungen gegenüber denselben Unternehmen. Warum Banken bestimmte Risiken meiden, die Fonds eingehen, erschließt sich aus ihrem Geschäftsmodell – mehr dazu im SIGNO-Beitrag „Wie verdient eine Bank eigentlich Geld?“.

Perspektive 1: Der Mittelstand als Kreditnehmer

So ist eine Direct-Lending-Finanzierung aufgebaut

Eine Finanzierung durch einen Kreditfonds unterscheidet sich weniger im Grundsatz als in der Ausgestaltung vom klassischen Bankkredit. Typische Bausteine sind:

  • Unitranche: Vorrangiges und nachrangiges Fremdkapital werden zu einem einzigen Kredit mit einheitlichem Zinssatz und einer Dokumentation zusammengefasst. Das Unternehmen verhandelt mit einem Kreditgeber oder einer kleinen Gruppe statt mit mehreren Finanzierungsebenen.
  • Tilgung und Laufzeit: Die Kredite laufen über mehrere Jahre und sind häufig ganz oder überwiegend endfällig. Das schont die laufende Liquidität, verlagert aber das Refinanzierungsrisiko an das Ende der Laufzeit.
  • Verzinsung: Üblich ist ein variabler Zins aus Referenzzinssatz und Marge. Hinzu kommen Gebühren bei Abschluss und Regelungen für eine vorzeitige Rückzahlung.
  • Covenants: Vertraglich vereinbarte Auflagen, etwa zum Verhältnis von Nettoverschuldung zum operativen Ergebnis, sowie Informationspflichten. Wird eine Auflage verletzt, erhält der Kreditgeber Mitsprache- oder Kündigungsrechte.

Der Kern des Angebots ist ein Tausch: Der Fonds übernimmt ein Risiko, das eine Bank so nicht tragen will oder kann, und entscheidet oft schneller und mit weniger Beteiligten. Der Kreditnehmer zahlt dafür in der Regel einen höheren Zins als für einen vergleichbaren Bankkredit.

Private Debt kauft Geschwindigkeit und Flexibilität – bezahlt wird mit Zins, Gebühren und einem Kreditgeber, der genau hinsieht.

Wann diese Finanzierung sinnvoll sein kann

Drei Situationen tauchen in der Praxis immer wieder auf. Erstens Wachstum, das schneller Kapital bindet, als der Cashflow nachliefert, und für das die Sicherheiten eines Bankkredits nicht ausreichen. Zweitens Buy-and-Build: Wer mehrere Unternehmen nacheinander zukauft, braucht einen Finanzierungsrahmen, der mitwächst und kurzfristig abrufbar ist. Drittens die Nachfolge, bei der ein Käufer – etwa das Management oder ein Finanzinvestor – den Kaufpreis zu einem erheblichen Teil mit Fremdkapital finanziert. Die Bundesbank weist darauf hin, dass Private Debt unter anderem bei Leveraged Buyouts eingesetzt wird.

In allen drei Fällen hängt die Höhe der tragbaren Finanzierung eng am Unternehmenswert und am erwarteten Cashflow. Wie Käufer und Kreditgeber diesen Wert ermitteln, erläutert der Beitrag „Unternehmensbewertung: Multiples, DCF und was Käufer wirklich zahlen“.

Checkliste vor dem Gespräch mit einem Kreditfonds

  • Gesamtkosten berechnen: Zins, Marge, Abschlussgebühren und Kosten einer vorzeitigen Rückzahlung.
  • Covenants gegen die eigene Planung testen, auch im schwachen Szenario.
  • Refinanzierung zum Laufzeitende durchdenken, besonders bei endfälligen Krediten.
  • Rolle der Hausbank klären: Betriebsmittellinien, Avale und Zahlungsverkehr bleiben oft dort.
  • Informationspflichten realistisch einschätzen: Reporting kostet Zeit und Ressourcen.
  • Verhalten des Kreditgebers in Krisen prüfen, etwa über Referenzen anderer Kreditnehmer.

Perspektive 2: Private Debt als Anlageklasse

Für Investoren ist Private Debt die Kehrseite derselben Kredite. Sie erhalten Zinszahlungen von Unternehmen, die meist kein Rating haben und deren Kredite nicht an einer Börse gehandelt werden. Daraus ergeben sich die wesentlichen Eigenschaften der Anlageklasse:

  • Illiquidität: Das Kapital ist oft für viele Jahre gebunden. Ein Verkauf vor Laufzeitende ist schwierig oder nur mit Abschlag möglich.
  • Kreditrisiko: Die Kreditnehmer sind häufig kleinere, höher verschuldete Unternehmen. Ausfälle treffen den Anleger direkt.
  • Bewertung: Mangels Marktpreis werden die Kredite in der Regel von den Verwaltern selbst bewertet. Wertschwankungen werden dadurch unter Umständen erst verzögert sichtbar.
  • Kosten: Verwaltungs- und gegebenenfalls erfolgsabhängige Gebühren schmälern die Rendite spürbar.

Der Zugang erfolgt fast ausschließlich über Fonds. Klassische Private-Debt-Fonds richten sich an institutionelle und professionelle Anleger. Wie sich festverzinsliche Anlagen im liquiden Teil des Portfolios verhalten, zeigt der Beitrag „Anleihen im Unternehmerportfolio“ – Private Debt ist dazu keine liquide Alternative, sondern eine eigene Risikokategorie.

ELTIF 2.0 als Zugang für Privatanleger

Ein regulierter Weg für Privatanleger ist der Europäische langfristige Investmentfonds (ELTIF). Mit der Verordnung (EU) 2023/606, die seit dem 10. Januar 2024 gilt, wurde der Rahmen überarbeitet. Nach Angaben der BaFin ist die frühere Mindestanlage von 10.000 Euro für Privatanleger entfallen. Vor dem Vertrieb an Kleinanleger ist eine Geeignetheitsprüfung vorgeschrieben. ELTIFs sind grundsätzlich geschlossen konzipiert; offene Strukturen sind nur unter bestimmten Voraussetzungen zulässig, und Rücknahmen sind nicht vor Ablauf einer Mindesthaltedauer möglich. Das gilt nach aktueller Rechtslage (Stand: September 2026). Ein ELTIF ändert nichts an der Illiquidität der zugrunde liegenden Kredite, er macht sie lediglich für einen breiteren Anlegerkreis zugänglich.

Risiken im Überblick

Die EZB hat in ihrem Finanzstabilitätsbericht vom Mai 2026 auf Anspannungen im globalen Private-Credit-Markt hingewiesen. Die Fähigkeit von Private-Credit-finanzierten Unternehmen im Euroraum, Zinsen aus dem operativen Cashflow zu bedienen, hat sich demnach in den vergangenen Jahren verschlechtert. Halbliquide Vehikel wie US-amerikanische Business Development Companies verzeichneten seit Anfang 2026 erhebliche Rücknahmewünsche; einige begrenzten Rückgaben gemäß ihren Vertragsbedingungen.

Für Unternehmen bedeutet das:

  • höhere Finanzierungskosten als beim Bankkredit, die die Marge dauerhaft belasten;
  • Refinanzierungsrisiko bei endfälligen Krediten, wenn sich Markt oder Geschäftslage verschlechtern;
  • Kontrollverlust bei Verletzung von Covenants;
  • Abhängigkeit von einem einzelnen Kreditgeber, dessen Strategie sich ändern kann.

Für Anleger gilt:

  • Kapitalbindung über Jahre, eingeschränkte oder begrenzte Rückgabemöglichkeiten;
  • Ausfallrisiko bei konjunkturell empfindlichen, hoch verschuldeten Kreditnehmern;
  • Bewertungsunsicherheit mangels Marktpreisen;
  • Gebühren, die einen Teil des Renditevorsprungs aufzehren.

Fazit

Private Debt ist für den Mittelstand kein Ersatz für die Hausbank, sondern eine Ergänzung für Situationen, in denen Tempo, Flexibilität und höhere Risikobereitschaft gefragt sind – bei Wachstum, Zukäufen oder der Nachfolge. Wer diesen Weg wählt, sollte die Gesamtkosten und die Covenants so genau prüfen wie den Zins. Für Anleger bietet die Anlageklasse Zugang zu Unternehmenskrediten jenseits der Börse, verlangt aber langfristige Kapitalbindung und die Bereitschaft, Kredit- und Bewertungsrisiken zu tragen. ELTIF 2.0 hat den Zugang erleichtert, die Risiken aber nicht verändert.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Maßgeblich ist die individuelle Prüfung durch qualifizierte Berater.

Quellen

iWealth-Inhalte dienen der Information und stellen keine Anlageberatung dar.
Autor:in

Redaktion SIGNO

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