Eine Bank verkauft kein Produkt, das man anfassen kann. Sie handelt mit Zeit, Vertrauen und Risiko – und das äußerst einträglich: Die deutschen Kreditinstitute erzielten 2025 nach Angaben der Deutschen Bundesbank einen aggregierten Jahresüberschuss vor Steuern von 52,3 Mrd. Euro, das dritte Jahr in Folge auf hohem Niveau. SIGNO Numbers zeigt, woher dieses Geld kommt, was es kostet und warum Unternehmer das Geschäftsmodell ihrer Hausbank kennen sollten.
Einordnung: Das Geschäft mit Zeit und Risiko
Im Kern ist eine Bank ein Transformator. Sie nimmt Einlagen entgegen, die Kunden oft täglich abrufen können, und vergibt daraus Kredite mit Laufzeiten von mehreren Jahren. Diese sogenannte Fristentransformation ist der ökonomische Motor des klassischen Bank Geschäftsmodells: Für kurzfristiges Geld zahlt die Bank in der Regel niedrigere Zinsen, als sie für langfristige Kredite verlangt. Hinzu kommen die Risikotransformation – die Bank trägt das Ausfallrisiko ihrer Kreditnehmer – und die Losgrößentransformation, bei der viele kleine Einlagen zu großen Finanzierungen gebündelt werden.
Die Bundesbank wertet jedes Jahr die Gewinn- und Verlustrechnungen sämtlicher Banken in Deutschland aus. Zum Berichtskreis für 2025 gehören insgesamt 1.171 Institute – von Großbanken über Sparkassen bis zu Kreditgenossenschaften. Die Ergebnisse erschienen im Monatsbericht September 2026.
Die Kennzahlen 2025 im Überblick
Die folgenden Werte beziehen sich auf alle Kreditinstitute in Deutschland (Veränderung gegenüber 2024 in Klammern):
- Operative Erträge: 172,5 Mrd. Euro (+4,1 %), ein neues Rekordhoch und 1,8 % der Bilanzsumme
- Zinsüberschuss: 109,9 Mrd. Euro (+2,2 %), der dritte Rekordwert in Folge
- Provisionsüberschuss: 43,6 Mrd. Euro (+6,4 %), der höchste Wert seit Beginn des Berichtszeitraums 1999
- Nettoergebnis des Handelsbestands: 11,4 Mrd. Euro (−4,1 %)
- Verwaltungsaufwendungen: 102,5 Mrd. Euro (+3,7 %)
- Aufwand-Ertrag-Relation (Cost-Income-Ratio): 59,4 %, nahezu unverändert
- Netto-Bewertungsaufwand: 11,9 Mrd. Euro (−9,1 %)
- Jahresüberschuss vor Steuern: 52,3 Mrd. Euro (+1,8 %)
- Eigenkapitalrentabilität: 7,85 % (2024: 8,04 %)
Erlösquelle 1: Der Zinsüberschuss
Der Zinsüberschuss ist die Differenz zwischen Zinserträgen aus Krediten und Wertpapieren und den Zinsaufwendungen für Einlagen und Refinanzierung. Mit 109,9 Mrd. Euro stand er 2025 für knapp zwei Drittel der operativen Erträge (eigene Berechnung: rund 64 %).
Bemerkenswert ist die Mechanik hinter dem Zuwachs. Die EZB hatte ihre Leitzinsen im ersten Halbjahr 2025 in vier Schritten um insgesamt einen Prozentpunkt gesenkt. Die Zinserträge im engeren Sinne gingen laut Bundesbank deshalb deutlich zurück (−19,0 %). Die Zinsaufwendungen fielen jedoch noch stärker (−26,3 %), weil die Zinsbindung auf der Passivseite kürzer ist: Einlagenzinsen passen sich schneller an als Kreditzinsen.
Eine Bank verdient nicht am Zinsniveau, sondern an der Geschwindigkeit, mit der sich Zinsen auf beiden Seiten ihrer Bilanz bewegen.
Die Zinsmarge lag 2025 bei 1,15 % und damit etwa auf Vorjahresniveau. Sparkassen (1,88 %) und Kreditgenossenschaften (1,75 %) erzielen deutlich höhere Margen, weil sie stark auf Einlagen und Kredite an Privatkunden und Mittelstand setzen.
Inzwischen hat sich die Zinsrichtung gedreht: Die EZB hat den Einlagesatz im Juni 2026 auf 2,25 % und mit Wirkung zum 16. September 2026 auf 2,50 % angehoben. Analyse: Steigende Zinsen können die Margen zunächst stützen, solange Einlagenzinsen langsamer folgen. Mittelfristig erhöhen sie aber den Wettbewerbsdruck um Einlagen – wie sich das in den Zahlen für 2026 niederschlägt, lässt sich erst im nächsten Bundesbank-Bericht ablesen. Wie sich die Zinswende auf der Anlageseite auswirkt, beschreibt der SIGNO-Beitrag über Anleihen im Unternehmerportfolio.
Erlösquelle 2: Provisionen und Gebühren
Der Provisionsüberschuss umfasst Entgelte, die nicht vom Zins abhängen: Kontoführung, Karten und Zahlungsverkehr, Wertpapierhandel und Depotführung, Vermittlung von Versicherungen oder Bausparverträgen. Mit 43,6 Mrd. Euro erreichte er 2025 rund ein Viertel der operativen Erträge (eigene Berechnung: rund 25 %).
Den relativ größten Anstieg verzeichneten die Regional- und sonstigen Kreditbanken (+11,0 %). Die Bundesbank führt dies vor allem auf Zuwächse im Zahlungsverkehrsgeschäft und im Kundenwertpapiergeschäft zurück. Analyse: Für Banken sind Provisionen besonders attraktiv, weil sie kaum Eigenkapital binden und weniger vom Zinszyklus abhängen.
Erlösquelle 3: Der Handel
Das Nettoergebnis des Handelsbestands – Gewinne und Verluste aus dem Eigenhandel mit Wertpapieren, Devisen und Derivaten – lag 2025 bei 11,4 Mrd. Euro. Für die meisten Sparkassen und Volksbanken spielt es kaum eine Rolle; relevant ist es vor allem für große, kapitalmarktnahe Institute.
Kosten und Risiken
Auf der Kostenseite dominieren die Verwaltungsaufwendungen von 102,5 Mrd. Euro. Sie steigen laut Bundesbank bereits seit 2020. Die Personalaufwendungen erhöhten sich 2025 um 2,8 Mrd. Euro (+5,7 %), die anderen Verwaltungsaufwendungen – darunter IT, Gebäude, Beiträge und Regulierungskosten – um 0,8 Mrd. Euro (+1,7 %).
Die Aufwand-Ertrag-Relation von 59,4 % bedeutet: Von jedem Euro operativer Erträge verbrauchen die Banken knapp 60 Cent für den eigenen Betrieb. Je niedriger dieser Wert, desto effizienter arbeitet ein Institut.
Hinzu kommt das Risiko. Im Bewertungsergebnis bilden Banken Vorsorge für ausfallgefährdete Kredite und Wertminderungen von Wertpapieren. Der Netto-Bewertungsaufwand betrug 2025 11,9 Mrd. Euro und lag damit unter dem langjährigen Durchschnitt von 13,4 Mrd. Euro.
Schließlich begrenzt die Regulierung das Wachstum. Nach Art. 92 der EU-Eigenmittelverordnung (CRR), die die Basel-III-Standards umsetzt, müssen Institute jederzeit eine harte Kernkapitalquote (CET1) von mindestens 4,5 %, eine Kernkapitalquote von 6 % und eine Gesamtkapitalquote von 8 % ihrer risikogewichteten Aktiva vorhalten – zuzüglich Kapitalpuffern. Jeder Kredit bindet also Eigenkapital, und zwar umso mehr, je riskanter er eingestuft wird.
Was Unternehmer daraus lernen können
Wer die Ertragslogik einer Bank versteht, verhandelt anders. Analyse: Für Kreditgespräche und die Hausbankbeziehung lassen sich daraus konkrete Schlüsse ziehen:
- Bonität spart Eigenkapital der Bank: Ein gutes internes Rating senkt die Kapitalbindung – und damit den Spielraum beim Zins. Aussagekräftige Unterlagen, aktuelle Zahlen und eine belastbare Planung zahlen sich aus.
- Die Gesamtbeziehung zählt: Weil Provisionen für Banken wertvoll sind, fließen Zahlungsverkehr, Kartengeschäft oder Absicherungen in die Kalkulation ein. Unternehmer sollten wissen, welchen Ertrag sie ihrer Bank insgesamt bringen.
- Sicherheiten reduzieren Risikovorsorge: Werthaltige Sicherheiten verringern den erwarteten Verlust und können Konditionen verbessern.
- Einlagen haben einen Preis: In Phasen steigender Zinsen lohnt ein kritischer Blick auf die Verzinsung von Geschäftsguthaben.
- Mehrere Banken vergleichen: Unterschiedliche Margen und Kostenquoten der Bankengruppen führen zu unterschiedlichen Angeboten.
Wie Banken und Investoren den Wert eines Unternehmens einschätzen, erläutert der SIGNO-Beitrag zur Unternehmensbewertung mit Multiples und DCF.
Fazit
Das Geschäftsmodell der deutschen Banken ruht auf zwei Säulen: dem Zinsüberschuss aus der Fristentransformation und dem wachsenden Provisionsgeschäft. 2025 brachten beide zusammen fast 90 % der operativen Erträge (eigene Berechnung). Dem stehen steigende Personal- und IT-Kosten, Risikovorsorge und strenge Eigenkapitalregeln gegenüber. Die Zinswende der EZB im Jahr 2026 verändert die Rahmenbedingungen erneut. Für Unternehmer bedeutet das: Wer weiß, wie seine Bank rechnet, kann Kreditgespräche auf Augenhöhe führen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Maßgeblich ist die individuelle Prüfung durch qualifizierte Berater.
Quellen
- Deutsche Bundesbank – Monatsbericht September 2026: Die Ertragslage der deutschen Kreditinstitute im Jahr 2025 – https://publikationen.bundesbank.de/publikationen-de/berichte-studien/monatsberichte/monatsbericht-september-2026-1007720?article=die-ertragslage-der-deutschen-kreditinstitute-im-jahr-2025-1007704
- Deutsche Bundesbank – Deutsche Kreditinstitute erzielen 2025 erneut hohe Gewinne – https://www.bundesbank.de/de/aufgaben/themen/deutsche-kreditinstitute-erzielen-2025-erneut-hohe-gewinne-1008604
- Europäische Zentralbank – Key ECB interest rates – https://www.ecb.europa.eu/stats/policy_and_exchange_rates/key_ecb_interest_rates/html/index.en.html
- Deutsche Bundesbank – Eigenmittelanforderungen – https://www.bundesbank.de/de/aufgaben/bankenaufsicht/einzelaspekte/eigenmittelanforderungen/eigenmittelanforderungen-597874
- Verordnung (EU) Nr. 575/2013 (CRR), Art. 92 – Eigenmittelanforderungen – https://lexparency.de/eu/CRR/ART_92/




